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Enttäuschung macht sich breit

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Die vorläufigen PMIs des Euroraums für September bestätigten, was die hochfrequenten Statistiken seit August zeigen: Die Erholung verliert an Dynamik. Der PMI des Euroraums für das verarbeitende Gewerbe stieg um 2 Punkte auf 53,7 und erholte sich damit weiter, aber der Dienstleistungsindex fiel erneut um 2,9 Punkte auf 47,6 gegenüber erwarteten 50,5 und zuvor 50,5 Punkten zurück. Die wirtschaftliche Lage Frankreichs ist besonders besorgniserregend. Der PMI war ein großer Fehlschlag und fiel auf 48,5 gegenüber den erwarteten 51,5 und den vorherigen 51,5.

Dies ist der erste Rückgang der Geschäftstätigkeit im privaten Sektor seit Mai. Darüber hinaus wurde der GfK-Konsumklimaindex für Oktober für Deutschland veröffentlicht. Er stagnierte bei -1,6 und lag damit deutlich unter dem Trend vor der COVID-19-Pandemie. All diese Statistiken deuten auf zunehmende Ansteckungsängste hin und bringen erneut Druck auf den Dienstleistungssektor und insbesondere auf die COVID-19-sensitivsten Sektoren, nämlich Dienstleistungen in den Bereichen Freizeit und Kultur, Gastgewerbe und Verkehr

In der „Buchstabensuppe“ zur Beschreibung des Konjunkturverlaufs kommt nach „U“, „V“ und „W“ ein neuer hinzu: die „K“-förmige Erholung steht für die zunehmende Entkopplung zwischen dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor. In Deutschland lag der
September-Flash-PMI für das verarbeitende Gewerbe bei 56,6, dem höchsten Stand seit Sommer 2018, während der Flash-Dienstleistungs-PMI mit 49,1 wieder schrumpft. Die Erklärung für diese Lücke liegt darin, dass das verarbeitende Gewerbe von einer Rückkehr der Auslandsnachfrage mit starken Auftragseingängen profitiert, während die Aktivitäten im Dienstleistungssektor durch das Wiederaufleben neuer COVIDFälle und die Einführung weiterer Restriktionen wieder nach unten gedrückt werden.

Der Kontrast ist auch bei den Beschäftigungsbedingungen auffallend, mit weiteren Arbeitsplatzverlusten im Dienstleistungssektor, aber einer Lockerung des Stellenabbaus in der verarbeitenden Industrie. Dabei decken die PMIs einen Zeitraum ab, bevor die meisten der neuen sozialen Distanzierungsmaßnahmen umgesetzt wurden. Mit anderen Worten, in den kommenden Monaten ist mit weiteren Rückgängen der Aktivitäten im Dienstleistungssektor zu rechnen.

Das „geteilte Europa“ ist wieder im Radar

Aufgrund der schwerwiegenderen Auswirkungen der Pandemie und der höheren wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Sektoren, die für das COVID-19 am empfindlichsten sind, wie z.B. der Tourismus, hinkt die Erholung in Südeuropa hinterher. Abnehmende Dienstleistungsaktivitäten und die Arbeitsplatzverluste in der Peripherie verstärken die Befürchtungen, dass Europa eine Erholung mit zwei Geschwindigkeiten erleben wird.

Wenn dieses Szenario eintritt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Europa zusätzliche Transfers in
den Süden diskutieren muss, die die bereits im Rahmen des Konjunkturpakets „Next Generation EU“ vereinbarten Transfers übertreffen würden.
Wenn wir das Beispiel Spaniens nehmen, das sicherlich das wirtschaftlich anfälligste Land in Südeuropa ist, werden die Nettotransfers nur 82 Mrd. EUR ausmachen – zu wenig, um das Problem adäquat zu adressieren

Während aber in Euroland die Kreditausweitung der Banken mit über einer Bio. USD Gegenwert im Juli einen Spitzwert erreichte, hat die Kreditvergabe in den USA und in China bereits
an Dynamik verloren.
Gerade in China dürfte geldpolitisch der Weg zurück zur Normalität begonnen haben. Die Konsequenzen sind bereits sichtbar in der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze und im Produzentenpreisindex. Im Einzelhandel gibt es auf rollierender Jahresbasis kein Wachstum, die Produzentenpreise liegen 2% unter Vorjahr.

Durch die zuletzt gesunkenen Zinsen hat der Immobilienmarkt einen Schub erlebt. So stiegen im August die Umsätze in neu gebauten Wohnimmobilien in den Großstädten der ersten und zweiten Größenklasse (30 Großräume) um 40%. Wie in 2016 wird diese Entwicklung schon in Kürze die Regierung zu einer Verknappung der Kreditfazilitäten zwingen. Daher räumen wir heute das Feld und stellen unsere zwei chinesischen BauträgerAktien China SCE (minus 30%) und CIFI Holding (minus 9%) im ESG-Portfolio zum Verkauf.

Auch in den Vereinigten Staaten kündigt sich eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums für das vierte Quartal an. So bremsen das parteipolitische Gezänk um ein neues Konjunkturpaket und die nahende Präsidentenwahl momentan. Das Stimmungsbarometer für die US Einkaufsmanager fiel im September leicht auf 54,4 Punkte. Der Index für den wichtigen Dienstleistungssektor, der mehr als zwei Drittel der weltgrößten Volkswirtschaft ausmacht, verlor
überraschend deutlich auf 54,6 Zähler von 55 Punkten.

Die kurzfristigen Aussichten bleiben das größte Problem für Investoren. Die US-Wirtschaft hat als Reaktion auf das Auslaufen des CA-RES-Gesetzes an Schwung verloren. Zwar werden die fiskalischen Stimuli realisiert werden, doch ist ihr Zeitpunkt nach wie vor höchst ungewiss, was die sich abzeichnende wirtschaftliche Verlangsamung noch verstärken wird. Darüber hinaus müssen Investoren das Risiko eines Stillstands in Washington, wo das Weiße Haus von Präsident
Biden und der Senat von einer widerspenstigen republikanischen Partei kontrolliert werden könnte, angemessen einkalkulieren.

Wenn dieses Ergebnis eintritt, wird das Risiko einer W-förmigen Rezession erheblich zunehmen. Die bloße Existenz dieses potenziellen Ergebnisses rechtfertigt schon heute eine Risikoprämie. Daher werden Aktien wahrscheinlich solange schlechter abschneiden, bis sich der Wahlnebel auflöst. Die US-Aktienindices sind von ihren Höchstständen Anfang September schon einiges entfernt. Beim Nasdaq-100 sind es 13%, beim S&P 500 10% und beim Dow Jones rund 9%. Hier haben sich im September (kurzfristige) Abwärtstrends herausgebildet.

Bei DAX und Euro Stoxx 50 bewegen wir uns am unteren Rand des Seitwärtstrends aus den vergangenen Monaten. Vom letzten Verlaufshoch sind sie 7 bzw. 9% entfernt. Die nächsten Unterstützungen liegen allerdings mit 12.000 bzw. 3.000 Punkten noch einige Prozentpunkte tiefer und es ist angesichts der Gemengelage nicht mehr auszuschließen, dass diese schon kurzfristig angelaufen werden.

Mittelfristig positive Nachrichten gibt es allerdings auch: Die taiwanesischen Exportaufträge stiegen im August um 13,6% jährlich, das ist das schnellste Wachstum seit zweieinhalb Jahren. Besonders stark waren die Aufträge für Elektronikprodukte und Informations- und Kommunikationsprodukte, die um 28,2% bzw. 26,4% stiegen.

Die Stärke der Daten war geographisch breit gefächert. Die Aufträge in die USA stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 19,5%, während die Exporte nach China und Europa um 21% bzw. 21,2% zunahmen. Die kräftige Erholung der taiwanesischen Exportaufträge bestätigt, dass die Erholung des globalen Produktionszyklus fest im Gange ist.

Der asiatische Wirtschaftszyklus steht im Zentrum der globalen Handelsströme. Vor diesem Hintergrund ist die geografische Ausdehnung der starken taiwanesischen Auftragslage sehr ermutigend. Aus einer mittelfristigen Perspektive (6 bis 12 Monate) ist die anhaltende Erholung der taiwanesischen Exportaufträge eine ausgezeichnete Nachricht. Um die globale Aktienrallye fortzusetzen, bedarf es einer stärkeren globalen Produktionstätigkeit, um die Gewinne zyklischer Aktien anzuheben.

Wir haben uns einmal die Verteilung der Verluste vom massiven Kurseinbruch am Montag
nach Sektoren angesehen.
Es waren die Zykliker und damit das Vertrauen in die konjunkturelle Erholung, die zu wünschen übrig ließen (Grafik auf der folgenden Seite).

Der Buchstabe „V“ trifft auf jeden Fall noch immer für die Struktur der Erholung der Ölnachfrage zu. Die OECD hatte zuletzt ihre eigene Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in 2021 nach oben korrigiert. In diesem Jahr soll der Rückgang statt der noch im Juni erwarteten minus 6% nur noch minus 4,5% ausmachen. Beim Öl soll der Nachfrageausfall irgendwo zwischen 8,1 und 8,3 Mio. Barrel pro Tag erreichen und im kommenden Jahr um mehr als 7 Mio. Barrel wieder ansteigen.